Im Andenken an Remo Largo

Am 11. November 2020 verstarb mit Remo Largo wohl einer der bekanntesten Anwälte für das Wohl der Kinder und einer der profundesten Kenner kindlicher Entwicklung. Trotzdem scheint die Zeit noch nicht reif gewesen zu sein, dass sein Anliegen für kindgerechtes Lernen und ein der Natur entsprechendes Entwickeln und Aufwachsen in den Schulen ankommen konnte.

Zum ersten Mal begegnete mir Remo Largo 1996 anlässlich der Geburt meines ersten Sohnes Luca. #Babyjahre wurde für mich als Vater zur Bibel für alles, was ich über das Aufwachsen unseres ersten Kindes, seinen Bedürfnissen, den sensiblen Phasen und über die Unterschiedlichkeit von Kindern innerhalb natürlicher Gesetzmässigkeiten erfahren wollte.


Im Jahr 2001gründete ich meine eigene Schule und fragte Remo #Largo an, ob er bereit wäre seinen Namen im Rahmen des Patronatskomitees der Schule zur Verfügung zu stellen. Ich erinnere mich an seine Antwort: Die Idee der Schule gefalle ihm sehr, auch würde er im Patronatskomitee gerne mitmachen, darüber hinaus sei es ihm aber leider nicht möglich, sich mehr zu engagieren. Etwa ein Jahr nach der Schuleröffnung besuchte Remo Largo zusammen mit einer Mitarbeiterin der Universitäts - Kinderklinik Zürich einen ganzen Tag lang unsere Schule. Was mich beeindruckte und nachhaltig in Erinnerung bleibt ist, dass Remo Largo praktisch den ganzen Tag ununterbrochen Fragen stellte. Er wollte alles wissen: Aus welchen Gründen wir Räume auf eine bestimmte Art und Weise eingerichtet hatten, was ich denke, weshalb ein Kind bei einer Arbeit mit anderen Kindern nicht mitmachen wolle, wie ein Lernmaterial hier funktioniere und eine Lernbegleiterin auf jene Art und Weise etwas zeige. Ich hatte nicht das Gefühl, dass da ein berühmter Kinderarzt und Entwicklungsexperte, der so Vieles mehr wusste als ich, zu Besuch war. Nein, da war ein neugieriger und wissbegieriger Mensch mit wachen Sinnen, offenem Herzen und klarem Geist zugegen. So musste es sein, wenn man von lebenslangem Lernen sprach - so offen und #neugierig, wie Remo Largo es war.


Nach einigen Jahren mit mehr oder weniger intensivem Kontakt, war es 2013 - ein Jahr nach der Gründung der Initiative Schulen der Zukunft - als ich Remo Largo anfragte, ob er für den erkrankten Jesper Juul als Referent am 1. Bildungskongress in Zürich einspringen würde. Im Folgenden sein eindrückliches und inspirierendes Referat zum Nachschauen mit dem Titel: Was verstehen wir unter Lernerfolg?


Das Highlight des Bildungskongresses 2013 war schliesslich die Podiumsdiskussion mit Remo Largo und Gerald Hüther unter der Moderation von Kurt Aeschbacher. Hier der Leckerbissen zum Nachschauen.


Remo Largo hat mich in meinem Vatersein sehr beeinflusst. Vieles hatten wir als #Eltern bereits intuitiv verstanden und genau so gemacht, wie es Remo Largo in seinen Büchern beschrieben hatte. Nur konnten wir es halt auch nachlesen und fühlten uns dadurch bestärkt und auf dem richtigen Weg, so wie wohl zehntausende Eltern auf der ganzen Welt.


Als Lehrer, Schulleiter oder Bildungsinnovator gibt es unzählige Aspekte aus Remo Largos Arbeit die bedeutsam sind. Eine Kernaussage jedoch finde ich besonders wichtig:

Kinder zum Schuleintritt verfügen über Entwicklungsunterschiede von bis zu vier Jahren, beim Schulaustritt bis zu sechs Jahren.

Das grosse Problem der staatlichen Schule war und ist, dass sie diese Tatsachen kläglich ignorieren. In unzähligen Referaten und in seinen Büchern wies Remo Largo immer wieder darauf hin, wie Kinder sich unterschiedlich entwickeln und nur innerhalb ihrer individuellen Möglichkeiten förderbar sind.

«Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht!»

war einer seiner berühmtesten Aussagen dazu.


Das Benoten und Vergleichen jahrgangsbezogener Leistungen widerspricht Largos Forschung über die Unterschiedlichkeit kindlicher #Entwicklung diametral. So hat er sich auch immer gegen #Noten und den Vergleichbarkeitswahn der Schulen ausgesprochen. Wie vielen Andere vor ihm, gelang es auch ihm nicht, an den starren Klassen- und Bewertungsstrukturen der #Volksschule zu rütteln. In den letzten Jahren empfand ich Remo Largo vielleicht nicht resigniert aber doch desillusioniert, was Veränderungsmöglichkeiten an der stattlichen Schule betraf. So engagierte es sich denn auch häufig für eine kindgerechte Umsetzung seiner Ideen an Privatschulen, wie zum Beispiel der Villa Monte in Galgenen. Es liegt wohl in der Natur der Sache, dass das Lebenswerk von Remo Largo mehr Einfluss auf Väter und Mütter in der Begleitung ihrer Kinder hat, als dass Schulen Largos Erkenntnisse zum Anlass nehmen würden, ihre Strukturen und Haltungen zu ändern.


Nach Jesper #Juul im vergangenen Jahr, ist mit Remo Largo innerhalb von kurzer Zeit die zweite ganz grosse Persönlichkeit von uns gegangen, die einen unschätzbaren Wert in Bezug auf Erkenntnisse zu kindlicher Entwicklung, Beziehungsgestaltung und Lernen hinterlässt.


Herzlichen Dank dafür, Remo Largo!




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Schulen der Zukunft

Daniel Hunziker

Chürzi

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