Jugendarbeit der Zukunft

Jugendangebote sind die breit genutzten Möglichkeiten, sich ausserhalb der Familie selbständig einer Gruppe an zu schliessen. Dies ist sehr bedeutsam, wenn man zum Beispiel bedenkt, dass 2/3 des Bildungserfolges eines Kindes oder Jugendlichen nicht von der Schule abhängt, sondern von Familie, Vereinen, Peergroups, Gemeinwesen usw. Wir übernehmen in der Jugendarbeit Jugendliche, die durch Familie, Primarschule und gesellschaftliche Verhältnisse geprägt sind.

 

Wir alle bewundern die „kindlichen“ Eigenschaften wie: Neugier, Mut, unbegrenzte Offenheit, uneingeschränktes Vertrauen, ihre Direktheit, Ehrlichkeit, die Kooperationsbereitschaft, sich halbstündlich wiederholende Begeisterungsstürme, Faszination am Neuen und die damit verbundene Entdeckerlust, nichtexistente Angst Fehler zu machen. Dann mit zunehmendem Alter, ändern sich die Einstellungen ziemlich frappant. Plötzlich präsentieren sich die jungen Menschen mit ausgeprägtem Sicherheitsdenken und allgegenwärtigen Ängsten vor Fehlern, Versagen, Prüfungen nicht zu bestehen, etwas auszuprobieren, zu kritisieren usw. Zu erkennen sind enorme Leistungsbereitschaft (nur so gibt es ein „glückliches Leben“), ausgeprägtes Konkurrenzdenken (Sinn macht nur noch, was eigenen Profit ergibt), überhöhte Identifikation mit dem Äußeren (Kleider, Nationen, Statussymbolen etc.), fehlender Antrieb für Eigenes und Kreatives und ein grosses Desinteresse an gesellschaftlichen Fragen und Engagement.

 

Der Grund dieses Werte- und Haltungswechsels ist einfach: „Die Kinder lernen das, was ihnen vorgelebt und gelehrt wird“. Z. Bsp.: „Viel fernsehgucken als Kind, ergibt gute Fernseh-Guck-Kinder oder abwesende Väter und Mütter, die sich im gnadenlosen Wettbewerb durchkämpfen, hinterlassen Lücken im Erfahrungsschatz der Kinder“. Der Leistungs- und Funktionsdruck (Freizeit wird durchorganisiert mit Hobbys und Förderunterricht etc.), geht einher mit einer verbreiteten Kontrolle (Handy, Kinder werden mit dem Auto überall hingefahren etc.), die den Kindern Entdeckungs- und Experimentierräume nehmen. Die zunehmend auf Konsum, Ruhe und Ordnung getrimmte westliche Welt zeigt Wirkung.

 

Die frohe Botschaft ist: Das Hirn ist darauf angelegt, ein Leben lang Neues lernen zu können. Bedingung dazu sind entsprechende Rahmenbedingungen. Und zwar in Form von Erfahrungsmöglichkeiten, die wieder unter die Haut gehen, die Sinn machen, Selbstwirksamkeit ermöglichen und das Individuum wieder in den Mittelpunkt stellen. Und dies eingebunden, in etwas Grösseres.

 

Unsere Vision ist es, mit den direkt Beteiligten Rahmenbedingungen zu schaffen, in der Freiheit, Sicherheit, Kreativität und Ordnung koexistieren können.

 

Was wir tun:

 

Jugendarbeit der Zukunft:

  • Kreiert Bilder, Visionen und Entwürfe für individualisierte Gemeinwesen (Gemeinden, Dörfer, Städte, Organisationen).
  • Lädt die mit Jugendarbeit beauftragten Personen und Gremien zum Mitdenken und Mitentwickeln ein.      
  • Gründet und begleitet Netzwerke und Vernetzungen.
  • Entwickelt Bildungsangebote, in denen Werte und Haltungen, sowie auch Methoden erarbeitet, vertieft, verfeinert und zur Alltagstauglichkeit gebracht werden.
  • Berät und entwickelt vor Ort Möglichkeiten für Rahmenbedingungen gelingender Jugend- und Gemeinwesen Arbeit.

 

Intaktes Gemeinwesen kann nur mehr gelingen, wenn Spezialisierungen, gegenseitige Kontrolle, Misstrauen und Konkurrenzdenken ein Ende haben. Lernen heisst, im Hirn entstehen neue Verschaltungen und Netzwerke und wenn sich diese untereinander auch zusammen schliessen, entsteht Intelligenz, Einsicht in die Zusammenhänge. Ganz ähnlich verhält es sich mit einem Gemeinwesen.

 

Der globalisierenden Welt mit ihren vielen Parallelwelten und virtuellen Räumen gilt es sich zu stellen, mit all den Vor- und Nachteilen. Menschen sind aber auch auf direkte Beziehung und Begegnung angelegt, beziehungsweise angewiesen. Die derzeitigen Lösungsansätze zeigen aber wenig Wirkung. Der Vereinsamung und der Anonymisierung der Gesellschaft kann weder durch den Staat, noch durch die Wirtschaft wirksam begegnet werden. Es braucht die Mitverantwortung der Beteiligten.