Was Kinder vor ihrem Schuleintritt prägt - und was gestressten Schulkindern gut tut

Aktualisiert: 12. Mai

Jüngere Kinder verhalten sich oft unlogisch, sind süss, werden von heftigen Gefühlen überrollt, sagen peinliche Dinge und hören uns einfach manchmal gar nicht zu. Zwischen “Du musst einfach mehr durchgreifen, sonst wird dein Kind das nie lernen!” und “Ich versuche dem Kind alles recht zu machen…” findest du hier nützliche Fakten, die dir helfen, Kleinkinder, Kindergartenkinder und gestresste Schulkinder besser zu verstehen.



Unsere Kinder kommen natürlicherweise als Frühgeburten zur Welt. Keine andere Spezies auf unserem Planeten bringt Kinder zur Welt, die so lange noch vollständig von Versorgung abhängig sind, um zu überleben. Die Natur hat das so eingerichtet, weil wir Menschen so ganz und gar soziale Wesen sind. Die Menschenkinder brauchen daher eine Möglichkeit, ihre Reifung in der „sozialen Gebärmutter“ ihrer Familie zu vollziehen.


Die Entwicklung in den ersten sieben Jahren dient dazu, dass Kinder ein eigenes Selbst oder Selbstgefühl entwickeln. Diese Entwicklung kann, wie das Wachstum einer Pflanze, nicht beschleunigt werden. Sie ist ein natürlicher Reifungsprozess, der jedoch unsere geeignete, einfühlsame Begleitung braucht.


In der Zeit der ersten 7 Lebensjahren sind vor allem die Teile des Gehirns noch nicht voll entwickelt, die mit der Verarbeitung von Gefühlen zu tun haben. Jüngere Kinder werden noch leicht von heftigen Gefühlen oder von Schutz- und Angriffsimpulsen überrollt. So funktionieren einfach die entwicklungsgeschichtlich alten Teile unseres Nervensystems.


Kleine Kinder verhalten sich ja oft sehr konträr zu unseren Wertvorstellungen: Sie sehen nur sich selbst, wollen nicht teilen, folgen uns nicht, sprechen peinliche Dinge aus usw.


In einer Atmosphäre von Einstimmung und Feinfühligkeit vonseiten der Erwachsenen können sich die „höheren Bereiche“ des Gehirns von Kindern unter 7 entwickeln und sie vor der Dominanz der älteren Strukturen schützen.

Einfühlsame Führung jenseits von Dominanz


Kinder bringen von Natur aus alles mit, um uns zu folgen. Sie wollen uns folgen! Sie werden ja durch unsere Lebenserfahrung in das Leben eingeführt. Sie möchten sich an uns orientieren, suchen das fürsorgliche, leitende Alpha in uns und möchten von Herzen unsere Weisungen befolgen.


Viele Eltern und Fachpersonen möchten, dass die Kinder es gut haben und sich auf Augenhöhe behandelt fühlen. Sie möchten den Kindern nicht zu nahe treten, ihnen nicht „befehlen“ oder sagen müssen, was sie tun sollen.


Jedoch schon Krabbelkinder suchen bei uns Orientierung. Sie schauen uns an und warten auf unser Zeichen, ob sie mit dem, was sie gerade tun, weitermachen dürfen oder nicht. Sie schauen immer wieder, bis die Information der Orientierung ganz und gar in ihnen gelandet ist.


Oft stehen eigene schmerzhafte Erfahrungen mit Autoritäten im Zusammenhang mit der Abneigung, die Führung zu übernehmen und Orientierung zu schenken.


Und nicht selten ist es auch eine innere Furcht oder Sorge, die sich manchmal sehr, sehr groß anfühlen kann beim bloßen Gedanken, kraftvoll selbst den Raum einzunehmen und klar zu sein. Diese Furcht oder dieser Stress liegen in unseren frühen ungeeigneten Bindungserfahrungen begraben.


Weil Kinder in den ersten sieben Lebensjahren jedoch darauf programmiert sind, uns, die wir mehr Erfahrung im Leben haben sollten, zu folgen und sich an uns zu orientieren, orientieren sie sich eben auch an unserer Nichtorientierung. So ist es vielleicht gut sich zu vergegenwärtigen:


Wir geben jüngeren Kindern immer Orientierung, ob wir wollen oder nicht. Wenn wir keine Orientierung geben, dann gibt das dem Kind die Orientierung: „Ich kleines Wesen bestimme die Spielregeln des Lebens, beispielsweise wie wir uns untereinander verhalten“ oder „Papa fragt mich, also muss ich mich selbst kümmern!“.


In die Kultur einführen - zeigen statt logisch erklären


Versuchen wir Kindern unter 7 Dinge logisch zu erklären, greifen wir ihrer Entwicklung voraus. Wir nehmen ihnen die Möglichkeit, aufgrund von Erfahrungen, die sie selbst machen dürfen, eine innere Logik auszubilden, auf die sie wirklich vertrauen können.

So geht es in diesem Alter viel mehr darum, dass wir uns Zeit nehmen, den Kindern die Dinge zu zeigen und dabei selbst als Erwachsene unsere Sprache mit unseren Handlungen zu verbinden, anstatt uns in logischen Erklärungen zu verlieren.


Hier findest du ein Beispiele als Inspiration, wie das ausschauen könnte, wenn du einem jüngeren Kind zeigen möchtest, wie man beispielsweise den Leim beim Basteln nutzt:


  1. Wir zeigen, wie man den Deckel des Leims zumacht.

  2. Bevor wir das tun, sammeln wir sie zuerst ein, nehmen uns Zeit, bis sie mit uns in Kontakt sind, bevor wir etwas zeigen oder eine Anweisung oder Information geben.

  3. Wir sprechen synchronisiert mit unserem Handeln.

  4. Das Sprechen kann ganz einfach so sein: „Zuerst so, dann so, dann so und dann stelle ich es dahin …”

  5. Wir warten, ob sie schauen, ob sie es gesehen haben und ob die Information in ihnen gelandet ist.


Vielleicht magst du einen Moment spüren, was es in dir auslöst, wenn du dir innerlich vorstellst, einem Kind Dinge aus unserer Kultur so zu zeigen wie in diesem Beispiel mit dem Leim. Wie ist das für dich gerade jetzt in diesem Moment?


Kinder allen Alters reagieren viel mehr auf unseren inneren Seins Zustand als auf unser Verhalten und Sprechen.

Die Kraft der Nachahmung


Die Kraft der Nachahmung ist ein echter X Faktor im Alltag mit jüngeren Kindern. Oft bedarf es kaum der Worte, wir Erwachsene sind - besonders wenn wir mit uns selbst verbunden sind - wie Magnete für jüngeren Kinder. Hier findest du ein paar Inspirationen, wie du die Kraft der Nachahmung nutzen kannst:

  • Wir räumen beispielsweise langsam auf oder putzen selbst unsere Zähne.

  • Wir haben dabei den Fokus auf uns selbst.

  • Wir legen etwas hin oder stellen ihnen dasselbe, was wir haben oder tun, auch zur Verfügung, z.B. einen kleinen Besen, wenn wir putzen.

Wir sind langsam genug und warten auch mal, bis das Kind alles nachahmen oder tun konnte. Manchmal sind wir so schnell, dass wir gar nicht mitbekommen, dass das Kind uns gerade versuchte nachzuahmen. Viel Frustration sammelt sich bei jüngeren Kindern aufgrund unserer Geschwindigkeit an.


Druck ist bei Kindern unter 7 enorm ungeeignet. Mit Druck können sie nicht umgehen. Er bringt sie in Not und Stress. Er hindert sie daran, die Welt aus ihrer langsamen Schwingung heraus wahrzunehmen und ihre Feinfühligkeit zu entwickeln.


Für die Entwicklung der Feinfühligkeit brauchen unsere Jüngsten die Feinfühligkeit von uns Erwachsenen und ihrer Umgebung.


Feinfühligkeit ist jedoch genau das, was viele von uns sich selbst als Kinder abgewöhnen mussten, weil es sich zu "gefährlich" angefühlt hat, so offen, neugierig und fühlend zu sein.

Im Zustand von Feinfühligkeit sind wir mit uns selbst, unserem Herzen, unserem Fühlen und Mitfühlen verbunden - letztendlich mit unserem menschlichen Potential.


Wie können wir neugierig auf unser Herz und unser Fühlen werden?

  • Wir können uns bewusst auf die Kinder und ihr Tempo einlassen.

  • Wir können aus mechanischen Abläufen aussteigen und die Dinge neu bewundern lernen, so wie die Kinder es tun.

  • Wir können versuchen, bewusst unser Sprechen zu reduzieren und mehr nonverbal und mit Blicken mit ihnen im Kontakt sein.

  • Wir können uns vorstellen, die Welt aus ihren Augen wahrzunehmen, als würden wir durch ihre Augen beispielsweise ein Buch anschauen.


Diese Intentionen können helfen, unsere tiefere Wahrnehmung dort, wo wir uns selbst als Erwachsene «gepanzert» und geschützt haben, wieder mehr für uns und für das Leben um uns zu öffnen.


Kinder allen Alters laden uns dazu ein, in den Bindungsmodus mit uns selbst zu gehen.

Das bedeutet, in Verbindung damit zu gehen, was gerade in den Momenten von Kontakt in uns stattfindet - seien es angenehme wie auch "herausfordernde" Gefühlszustände.


Wenn wir uns immer wieder Momente schenken, in diese Langsamkeit einzutauchen - in mehr Bindungsbereitschaft - und uns Zeit für die verschiedenen Prozesse und Interaktionen nehmen, so als hätten wir einfach unendlich viel Zeit, dann wird das Zusammensein mit Kindern unter 7 - aber auch mit unseren älteren Kindern - zum Segen.



(Artikel in Anlehnung an das Handbuch des Online Trainings von Transparents https://transparents.net/angebote/onlinetraining/ der Autorin Kirsten Timmer)



Weiterführende Informationen

Hier kannst du mehr über «Kinder unter 7 – wie sie ticken und was sie brauchen» erfahren: https://transparents.net/themenseite-kinder-unter-7/


Oder erfahre mehr zu diesem Thema über den gleichnamigen Video Kurs: https://transparents.net/kinder-unter-7/

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