Jahrgangsklassen sind nicht kindgerecht

Seit rund 150 Jahren werden Schulen in Jahrgangsklassen organisiert - derselbe Schulstoff also für alle jahrgangsgleichen Kinder. Dazu steht im Widerspruch, dass Kinder während ihrer Schulzeit Entwicklungsunterschiede von vier bis sechs Jahren aufweisen. Dass das nicht wirklich gut gehen kann, zeigen die zunehmenden Grossaufgebote von Heilpädagoginnen, Klassenassistenten, Seniorinnen oder Zivilschützern an unseren Schulen.


Prof. Dr. Remo #Largo hat die Entwicklung gesunder Kinder über 40 Jahre lang untersucht. Dabei kam er zu folgendem Ergebnis:


Kinder zum Einschulungszeitpunkt weisen Entwicklungsunter-schiede von bis zu vier Jahren auf. Beim Schulaustritt liegt die Spanne bei sechs Jahren.

Mädchen sind durchschnittlich zwei Jahre weiter entwickelt. Die #Entwicklungsunterschiede betreffen die kognitive, emotionale, körperliche, soziale, motorische und sprachliche Entwicklung.


Im obersten Bild sind die Kinder der Grösse nach aufgereiht. Dieselben Kinder stehen im unteren Bild dem Alter entsprechend nebeneinander. Sofort fällt es ins Auge, wie gross die Unterschiede im Längenwachstum sind. Eigentlich leichtfertig anzunehmen, dass die weniger sichtbaren Entwicklungsbereiche bei jahrgangsgleichen Kindern weniger gross sein sollen.


Umso verwunderlich ist es eigentlich, dass man alle jahrgangsgleichen Kinder in dieselbe Klasse steckt und sie dieselben Lerninhalte lernen sollen. Für einige mag das passen. Für Kinder die bereits weiter sein könnten oder solche, die kämpfen müssen, um den Anschluss an den Klassendurchschnitt nicht zu verlieren, vergeht bestenfalls die Lernfreude. Schlimmstenfalls verlieren sie ihr #Selbstvertrauen, hängen völlig ab oder werden sozial auffällig.


Weshalb werden an Schulen trotz dieser Erkenntnisse nach wie vor #Jahrgangsklassen mit gleichen Inhalten für alle geführt?


Der Ursprung liegt rund 150 Jahre zurück, als man im #Maschinenzeitalter mit Maschinendenken an die Konzeption der Volksschule heranging. Wenn man gleichen Kindern dasselbe verabreicht, muss auch dasselbe rauskommen. Was für Maschinen gilt, funktioniert bei Kindern jedoch nicht. Und so nimmt man seit vielen Jahrzehnten in Kauf, dass es einige Gewinner gibt - diejenigen, die das Glück haben, dass das, was sie lernen sollen, auch dem entspricht, wofür sie reif sind. Und dann gibt es die Verlierer, die nicht etwa dumm oder einfach hochbegabt sind, sondern einfach in verschiedenen Entwicklungsbereichen weiter oder weniger weit entwickelt sind.


Anstatt dass sich die Schule nach den entwicklungspsychologischen #Gesetzmässigkeiten, respektive an der #Entwicklungsspanne jahrgangsgleicher Kinder orientieren und ihre Unterrichtsmethodik entsprechen anpassen würde, schafft sie ein Arsenal an Hilfskräften vor Ort, welche die Aufgabe haben, die zu schnellen oder zu langsamen Kinder auf Durchschnittskurs zu bringen.


In diesem Zusammenhang ist es interessant den Ingetrations-, resp. Inklusionsgedanken anzuschauen. Nach dem nunmehr etwa zehn Jahre andauernden Credo alle Kinder in die Schule und damit in die Klassen zu integrieren, werden die Stimmen immer lauter, nun doch wieder seperativer zu arbeiten. Wie denn das? Die Frage ist doch die: Will man unterschiedlich entwickelte Kinder in Klassen mit jahrgangsgleichen Anforderungen stecken oder #individualisiert man den Jahrgangsunterricht so, dass alle entsprechend ihrer #Reife lernen können? Seit Jahren wird ersteres recht erfolglos versucht - wie soll denn ein Kind etwas lernen können, wofür es die Voraussetzungen nicht hat? Da helfen auch alle die vielen personellen Ressourcen nicht, die zum Erfolg beitragen sollen.


Das Gras wächst ja bekanntlich nicht schneller, wenn man daran zieht.

Soll #Integration also gelingen, dann nur, wenn innerhalb einer Klasse auf die individuellen Entwicklungsunterschiede geachtet wird. Eine Alternative ist die Auflösung des Jahrgangsklassensystems hin zu #altersdurchmischtem Lernen. Das gelingt aber auch nur dann, wenn nicht in altersdurchmischten Klassen wieder ein #Mehrjahrgangsunterricht durchgeführt wird, sondern wirklich die Möglichkeit geboten wird, dass alle Kinder an unterschiedlichen Lerninhalt - auch jenseits der eigentlichen Klasse - arbeiten können.


Dann bleibt auch noch die Rückkehr zur #Separation. Das kann zum Beispiel sein, dass Kinder, welche bestimmte kognitive Vorraussetzungen für die Anforderung an das Mitkommen in der Klasse nicht mitbringen, dies in ihrem Tempo in sogenannten Lerninseln ausserhalb der Klasse machen können und den restlichen Unterricht mit ihrer Klasse verbringen.


Ein derart seperatives Vorgehen ist gleichzeitig ein integratives Modell - nämlich indem alle Kinder in die Möglichkeit integriert sind an ihrer Schule Erfolgserlebnisse haben zu können.



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Daniel Hunziker

Chürzi

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